Kleiner, 71. Sudetendeutscher Tag in München
(16.- 18. Juli 2021)
Richard Šulko

Die erste große Veranstaltung in der bayerischen Hauptstadt München nach den strengen Corona-Maßnahmen leistete sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft (SL). Mit Beschränkungen, was Spesen oder Besucherzahl angeht, aber ein im Sinne der Heimatliebe und Völkerverständigung erlebtes Wochenende setzte wieder Maßstäbe der Arbeit für das kulturelle Leben der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Schlesien. Dank der Unterstützung der SL wurden wieder Vertreter der „verbliebenen“ Deutschen aus Tschechien eingeladen um das Fest der gemeinsamen Heimatliebe zu erleben. 

Am Freitagnachmittag wurden die Sudetendeutschen Kultur – und Förderpreise verliehen. Neben deutschen Staatsbürgern wurde mit dem Förderpreis für Publizistik auch der junge Historiker Miloš Bělohlávek aus Chodau ausgezeichnet. Dieser leistete eine hervorragende Arbeit in Chodau und auch der Bund der Deutschen in Böhmen genießt eine gute Zusammenarbeit mit ihm. Die böhmische „Spur“ wurde mit dem diesjährigen Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft bekräftigt. Mit dem früheren tschechischen Kulturminister Daniel Herman wurde ein Tscheche ausgezeichnet, der als erster Minister einer tschechischen Regierung beim Sudetendeutschen Tag in Nürnberg am 15. Mai 2016 war und der die im Saal anwesenden Vertriebenen mit „Liebe Landsleute“ ansprach und sein tiefstes Bedauern über das ausdrückte, was bei der Vertreibung vor 70 Jahren geschehen ist.


Pontifikalamt mit Bischof Voderholzer

Am Samstagmorgen besuchten die mit Eintrittskarten ausgestatteten Kirchenbesucher die St.- Michael-Kirche in der Fußgängerzone Münchens. Für die aus Tschechien anwesenden Gläubigen war interessant, wie die Corona-Maßnahmen beim Gottesdienst organisiert waren. Der Hauptzelebrant war der Regensburger Bischof S.E. Prof. Dr. Rudolf Voderholzer. Die musikalische Begleitung übernahm die Egerländer Gartenberger Bunkerblasmusik unter der Leitung von Roland Hammerschmied. Nach dem Gottesdienst blieb ein wenig Zeit sich zu stärken, und um 14 Uhr ging es in die Philharmonie im Gasteig zum Festakt. Nach der Begrüßung durch Steffen Hörtler, dem Landesobmann  der SL Bayern, kamen die Erklärung der Sudetendeutschen Jugend und Grußworte der zweiten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Katrin Habenschaden und des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, H. Stephan Mayer, MdB.

 

73er Egerländer Marsch

Nach den Grußworten folgte der 73er Egerländer Marsch, gespielt von der Gartenberger Bunkerblasmusik. Dr. h.c. Bernd Posselt, MdEP A.D., Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe sagte am Anfang: „Da haben wir drüber nachgedacht, lange drüber nachgedacht, wie wir das dieses Jahr, wo die Corona leider noch nicht ganz besiegt ist, wie wir das dieses Jahr halten und gestalten. Und manche haben gesagt: "Warten wir lieber noch ein Jahr." Aber, liebe Landsleute, wir haben uns anders entschieden. Und unsere Mitarbeiter, unsere kleine Mitarbeiterschar, hat durch unmenschliche Leistung - das muss ich einfach mal wirklich sagen -, durch Arbeit Tag und Nacht - Sie müssen bedenken, jeder einzelne, der hier ist, musste platziert werden, und so weiter - es geschafft, dass wir uns heute treffen. Dafür danke ich Andreas Miksch, Hildegard Schuster, dem ganzen Team aus allertiefstem Herzen.“  Am Ende seiner Rede rief Posselt Daniel Herman zu sich und überreichte ihm die höchste Auszeichnung der Sudetendeutschen Landsmannschaft.  Nach Hermans Dankesworten folgte noch die Rede des Bayerischen Ministerpräsidenten und Schirmherrn der Sudetendeutschen Volksgruppe. Dr. Markus Söder, MdL und mit den Hymnen wurde der Festakt beendet.

 

Sudetendeutsches Museum

Das vor kurzem neueröffnete Museum der Sudetendeutschen in der Münchner Hochstraße, direkt neben dem Sudetendeutschen Haus ist eine hervorragende Einrichtung der Sudetendeutschen Stiftung. Modern, in einem modernen Bau untergebracht, Interaktiv und mit Anfassungsgegenständen ausgestattet: ein Muss nicht nur für die Vertriebenen oder Verbliebenen, sondern auch für andere Bundesbürger und vor allem Schulen. Schön wäre es, wenn sich tschechische Schulen auf den Weg nach München machen würden, um die Größe des Sudetendeutschtums zu verstehen. Man muss aber einen ganzen Tag einplanen, so umfangreich sind die Expositionen! Mich hat am meisten ein Haustürschlüssel berührt, welchen die Hausbesitzer mit in das Vertreibungsgepäck nahmen, denn sie glaubten fest daran, dass sie später wieder nach Hause kommen.

 

 

 

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