Wenn hohe Kunst dem Volkslied begegnet
Verleihung der kulturellen Förderpreise der Sudetendeutschen Landsmannschaft am 2. April 2022 in München


Die „Sudetendeutsche Landsmannschaft“ (SL) verleiht jedes Jahr an junge Menschen, die nicht älter als 35 Jahre sind, ihre kulturellen Förderpreise. Auch im Jahre 2022 versammelten sich hohe Repräsentanten der SL, Gäste und Laudatoren im großen Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses, um den Festakt zu begehen. Die Preisträger kamen diesmal aus drei Ländern: aus Böhmen, aus Deutschland und aus Österreich. Die Preisträger bildeten mit ihren „Disziplinen“ einen sehr bunten Blumenstrauß, was von den Teilnehmern mit starkem Beifall belohnt  wurde.

Die musikalische Begrüßung besorgte die Sopranistin Iris- Marie Kotzian, begleitet vom Christoph Weber auf dem Klavier: „Grüß enk Gott, alle miteinander“ aus der Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller.

Die Begrüßung erfolgte durch Dr. Ortfried Kotzian, dem Vorsitzenden des Vorstandes der „Sudetendeutschen Stiftung.“ Die folgende Ansprache hielte Dr. h.c. Bernd Posselt, MdEP a.D., Sprecher der Sudetendeutschen und Bundesvorsitzender der SL: „Die Verleihung der kulturellen Förderpreise ist meine beliebteste Veranstaltung,“ so Posselt gleich am Anfang seiner Rede: „Wie man sieht, ist das kulturelle Erbe der  Sudetendeutschen kein ausgetrockneter Baumstamm, sondern ein sehr lebendiges Wesen mit vielen jungen Sprossen,“ fuhr er weiter fort und erinnerte aus aktuellem Anlass an seinen Besuch in Kroatien, wo er unter Beschuss der serbischen Armee ins Theater kam. „Sogar unter den lebensgefährlichen Bedingungen wurde auf der Bühne Theater gespielt: Kunst ist also ein Teil des Bedürfnisses, ein volles Leben zu führen“, so Posselt weiter.

Wenn Spinnweben verschwinden…

Der erste gewürdigte Preisträge war Ondřej Valchař aus der Universität in Pardubitz, der mit dem Förderpreis für Literatur und Publizistik „ONLINE“ ausgezeichnet wurde.  Laudatorin Susanne Habel hob vor allem die Tatsache hervor, dass der Dokumentarfilm „Kde domov můj“ (Wo ist meine Heimat) sich das Ziel gesetzt hat nicht nur die Schicksale der vertriebenen Deutschen aus dem Braunauer Ländchen zu zeigen, sondern die Menschen, Deutsche und Tschechen zusammenzuführen.  Beim zweiten Förderpreis wurde es sehr lebendig: ein 22 jährige Komponist, Linus Köhrig aus Wien, der Wurzeln in  Böhmen hat, spielte eine von ihm komponierte Sonate „Kugel-Mugel.“ In diesem Stück konnte man nicht nur die böhmische Melancholie spüren, sondern auch die Kraft des jungen Pianisten, der in dem „Wiener Mozart Orchester“ Bratsche spielt. In den Fortissimo-Abschnitten dieses melodischen Werkes wackelten die Fenster in dem Saal und wenn man das früher gewusst hätte, hätte man den Putzkräften im Sudetendeutschen Haus frei geben können, weil in diesem Augenblick waren alle Spinnweben weg. In einer kleinen Recherche seines Wirkens kann man z.B. ein Konzertstück unter dem Namen: „Ein Wiener in Amerika für Altsaxophon und kleines Orchester“ finden, was in den Anfangstönen an den Komponisten Antonín  Dvořák und seine Symphonie „Aus der Neuen Welt“ erinnert. Was für ein Talent!

Nun wurde es volkstümlich…

Nach der hohen Kunst eines Wieners kam ein „verbliebener“ Egerländer aus Plachtin b. Netschetin mit seiner Zither zum Podium: der Förderpreis für Volkstumspflege ging an Vojtěch Šulko. In der Laudatio von der Heimatpflegerin  Christina Meinusch  erwähnte sie nicht nur das Zitherspiel, in dem er mit seinem Vater Richard Šulko das Duo „Målaboum“ bildet, sondern auch die Tatsache, dass er seit seinem sechsten Lebensjahr auch in der Egerländer Volkstanzgruppe „Die Målas“  mittanzt. Meinusch erwähnte auch die Zitherlehrerin, Frau Bertl Růžička aus Neudek, zu der der Preisträger aus Pilsen jede Woche zum Unterricht fuhr. Weiterhin erwähnte sie auch das neue Buch mit eingelegter CD: „Målaboum: daham!“ und den Dokumentarfilm „Folklorika“ im Tschechischen Fernsehen. Sehr wichtig sind die Auftritte bei der tschechischen Bevölkerung, die damit mit dem Kulturgut der Deutschböhmen bekannt gemacht wird. 

Klarinette zum Schluss…

Laudator Armin Rosin stellte die letzte Förderpreisträgerin vor: die aus Miltenberg stammende Amelie Bertlwieser. Sie spielt in ihren jungen Jahren schon die Solo-Klarinette im „Beethoven Orchester Bonn“. Nach einer Kostprobe aus ihrem Können folgte noch das Schlusswort  von Prof. Dr. Ulf Broßmann, dem Bundeskulturreferent der SL, der für die Iris-Marie Kotzian, die den ganzen Nachmittag die Feierstunde musikalisch begleitete, eine Überraschung präsentierte: sie wurde mit der Adalbert Stifter-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft für ihr langjähriges Engagement gewürdigt. Danach hieß es nur: „Der Empfang beginnt“ und die Gespräche wurden weitergeführt. Eine sehr würdige Feier, die durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales und die Sudetendeutsche Stiftung finanziell unterstützt wurde.

M.R.

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