Zukunftsorientierte Verbands- und Nachwuchsarbeit
(Seminar der Landesversammlung in Reichenberg 30. 7. – 1- 8. 2021)

Richard Šulko

Wie jedes Jahr, so auch 2021 organisierte die „Sudetendeutsche Landsmannschaft“ aus Baden-Württemberg mit der „Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik (LV)“ ein Bildungsseminar. Die Themen waren Antragstellung und Lausitzer Sorben. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten der LV Martin Dzingel am Freitagabend, trug das Grußwort Waltraud Illner aus Stuttgart vor. Als Ehrengast konnte man Frau Helga Löffler unter den Teilnehmern begrüßen. Nach dem Fotopflichttermin startete schon der erste Vortrag.

Nach der Erklärung der Beschränkungen in den Projektanträgen für 2022 zeigte Martin Dzingel die derzeit gültigen Antragsformulare und es wurde darüber sehr lebendig diskutiert.  Nach dem Arbeiten folgte eine Überraschung: im Garten des BGZs in Reichenberg machte der berühmte Fleischer Andreas Wagner aus Mittelherwigsdorf in Sachsen seinen Grill an. Der Samstagmorgen wurde dem Museumsbesuch gewidmet: die Sonderausstellung Liberec kontra Reichenberg zeigte die Entwicklung dieser Region: von kleinen Dörfern bis zur Großstadt. Das wohl interessanteste Exponat war die sog. Pianola. Sehr viele diese technischen Wunderwerke sind funktionsfähig.

Lausitzer Sorben

Frau Jana Vančatová, stellv. Vorsitzende vom Verein „Societas Amicum Liberec (SAL), stellte die Lausitzer Sorben vor. Diesem Verein wohnen Lausitzer Sorben bei. Es gibt zwei geografische Gebiete, wo die Elbeslawen leben: die Oberlausitz und Unterlausitz.  Die Unterlausitzer sind meistens Protestanten und damit ist die Assimilierung in der deutschen Bevölkerung stärker ausgeprägt. Oberlausitzer sind strenge Katholiken. Damit für diese Region nicht nur Priester zur Verfügung stehen, wurde in Prag das sog. Lausitzer Seminar gegründet. In diesem Gebäude ist heute das sächsische Kontaktbüro untergebracht.

Trachten der Lausitzer Sorben

Nach 1918 gab es Bestrebungen, die Lausitz an den neu entstehenden Tschechoslowakischen Staat anzuschließen, was aber nicht gelang. Dasselbe wiederholte sich nach 1945. Wie Frau Vančatová, sagte: „Damals äußerte sich aber der Präsident Edvard Beneš: ´das waren sowieso Kollaboranten!“ Wenigstens entstand im Norden Böhmens ein sorbisches Schulwesen: in Böhmisch Leipa, Warnsdorf und Reichenberg. Sehr interessant war die Information, dass die Lausitzer Sorben ihre Trachten immer gleich haben. Es gibt vier lebendige Trachtengebiete und eine Trachtenleihstelle. Nach dem Vortrag führte die Teilnehmer Herr Ondřej Ulihrach durch die Sonderausstellung im Reichenberger Museum: „Liberec kontra Reichenberg.“

Kunigunde von Staufen

Nach dem Mittagessen fuhren die Teilnehmer in die Oberlausitz in ein ganz besonderes Kloster: Das Zisterzienserinnenkloster Marienthal an der Neiße, gegründet 1234 von der böhmischem Königin Kunigunde von Staufen, unterstützt durch ihren Ehemann, böhmischen König Wenzel I. Nach der sehr informativen Führung folgte eine kleine Kaffeepause, wo uns P. Helmut Brzezan aus der Sicht eines Pfarrers seine Erfahrungen mit dem Sorbischen beschrieb. Sehr interessant war die Tatsache, dass es sogar Kirchentexte in Sorbisch gibt und damit die Gottesdienste in dieser Minderheitensprache möglich sind. Das Abendessen im Rathauskeller war ausgezeichnet. Am Sonntag folgten noch die Evaluierung und der Austausch der Teilnehmer und dann ging es wieder nach Hause, wo man sich schon langsam auf die Antragstellung einstellte. Einige tapfere „Bergsteiger“ haben noch den Jeschken erstiegen.

 

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