Schulvereinstag 2022 in Wien

  1. – 11. Juni 2022

Auf Einladung der Österreichischen Landsmannschaft, vormals Deutscher Schulverein von 1880, wurden wieder Vertreter der deutschen Minderheiten nach Wien eingeladen. Diesmal waren sieben Staaten vertreten: Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, Ukraine, Serbien und Slowenien. Unter dem Motto: „Sich der Vergangenheit bewusst zu sein, heißt, Zukunft haben.“ (Hans Lohberger) startete die Begegnung mit einem Gespräch im österreichischen Parlament und folgte mit einer Berichterstattung am Samstag.

Der Dritte Präsident des Nationalrates, Norbert Hofer (FPÖ), lud die Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Minderheiten zu einem KAMINGESPRÄCH ZUR VOLKSGRUPPEN- UND MINDERHEITENPOLITIK am Freitag, dem 10. Juni2022, in das Palais Epstein, gegenüber dem gerade renovierten Parlamentsgebäude, ein. Nach der Begrüßung durch den Obmann der Österreichischen Landsmannschaft, Erich Danneberg, folgten die einleitenden Worte des Dritten Präsidenten des Österreichischen Nationalrates, Norbert Hofer.  Der Inhalt der Gesprächsrunden war wie folgt: „Zu den wichtigsten Aufträgen der Politik zählt es, die Traditionen zu bewahren, das Brauchtum zu pflegen und die Identität zu schützen. Kultur ist die Gesamtheit aller zivilisatorischen Ausdrucksformen. Kulturelle Errungenschaften zeugen über die Jahrhunderte hinweg von bewegter Geschichte und bilden die geistige und künstlerische Lebensform unserer Gesellschaft ab. Kultureller Reichtum muss bewahrt, weiterentwickelt und gefördert werden. Da Bräuche und Traditionen lebendige Medien sind, welche auch stetem Wandel unterliegen und nur von uns Menschen gelebt werden können, liegt es an uns, für unsere Kinder und Enkelkinder diese wertvollen Errungenschaften weiterzuführen. Aktive Volksgruppen- und Minderheitenpolitik ist daher in der heutigen Zeit umso essentieller.“

Aktuelle Situation in den Ländern…

In folgenden Diskussionen ergab sich ein farbiges Bild der Lage des deutschen Unterrichts in den anwesenden Ländern. Frau Barbara Mientus aus der Schule und dem Kindergarten des Vereins „Pro Liberis Silesiae“ in Raschau in Oberschlesien berichtete z.B. über die Kürzungen der polnischen Regierung bei den deutschen Unterrichtstunden: von drei auf eine wöchentlich. Richard Šulko vom „Bund der Deutschen in Böhmen, e. V.“ (BdDB) berichtete über die Bestrebungen, die zweite Pflichtfremdsprache in den Schulen abzuschaffen. Es waren ergreifende Berichte aus den Ländern zu hören, der wohl am meisten erwartete Bericht kam vom Herrn Schmiedl aus der Ukraine. Nach einer ein-eineinhalb stündigen Diskussion lud dann Norbert Hofer zu einem Empfang ein.

Samstag voller Berichte…

Die Begrüßung in den Räumlichkeiten der „Akademischen Grenzlandsmannschaft Cimbria zu Wien“ machte Dr. Wolfgang Steffanides, gebürtig aus Kladrau bei Mies im Egerland: „Nur die Steine sprechen Deutsch, aber manchmal auch Menschen.“ Dies waren seine ersten Worte und er fuhr fort: „Ich betrachte sie als Helden.“ In der folgenden Zeit berichteten die einzelnen Vertreter über ihre Projekte in den einzelnen Ländern. Als erster kam Richard Šulko, Vorsitzender vom BdDB. Die Arbeit dieses Vereines aus dem östlichen Egerland wurde als „sehr umfangreich“ bewertet. Aus Bukarest reiste Frau Ioana Miliana Anghel an, Deutschlehrerin auf der IBSB (The International British School of Bucharest).  Sie berichtete über die Projekte in Bukarest und erwähnte auch die Kinder in der Schule aus der Ukraine, sowie die Hilfsprojekte für dieses durch Krieg schwer getroffene Land. Es wird nicht nur Deutsch unterrichtet, sondern auch allgemeine Fähigkeiten, z.B. Zuverlässigkeit gelehrt.

Wenn ein deutscher Lehrer eine Ungarin heiratet….

Der österreichische Lehrer Roland Mittag heiratete eine Ungarin und lebt schon mehr als 20 Jahre in Ostungarn, in Jula (Gyula). Wie er sagte: „Alles ist bei uns flach.“ Mittag wollte, dass sich Kinder verstehen. Er arbeitet in seinen Projekten mit 10 Nationalitäten. Kinder haben z.B. Fragebögen bekommen über ihre deutschen Ahnen. Bei seinen Projekten sind immer 80 bis 120 Teilnehmer, der Deutsch-ungarische Kindergarten spielt eine positive Rolle. Spiele in Deutsch kommen bei den Kindern auch sehr gut an. Hoch interessant war der Wettbewerb: Wer sagts am besten? Herr Johann Schuth, Chefredakteur der deutschen „Neuen Zeitung“ aus Budapest sagte zur Identität: „Ein alter Bauer sagte: ´ich möchte ein Telefon haben, wenn es Deutsch spricht.“ Und weiter: „Identität soll man festigen!“ „Jammern hilft nicht, man soll viele kleine Taten machen.“

Kampf um die Rechte…

Schule und Kindergarten des Vereins „Pro Liberis Silesiae“ in Raschau in Oberschlesien, eine Montessori-Schule: Frau Barbara Mientus berichtete über den zweisprachigen Unterricht, welcher seit 2009 läuft.  Sie erwähnte noch einmal die finanziellen Kürzungen beim Deutschunterricht: von drei auf eine Stunde in der Woche. Die Geschichtsbücher wurden in Polen umgeschrieben und die deutsche Minderheit muss um ihre Rechte kämpfen. Mientus zeigte dann einen Film, von den Kindern gemacht: „Wie Deutsch wichtig ist.“ Diese Schule organisierte auch Hilfe der Firmen aus Oppeln für die ukrainischen Flüchtlinge. Es gibt eine Zusammenarbeit auch mit dem Verband aus Hultschin in Tschechien, der noch mehr ausgebaut werden kann. Aus Slowenien, Ljubljana, wurde berichtet: die deutsche Minderheit ist nicht anerkannt. Sie hoffen auf Neuwahlen. Sie haben ein Projekt mit dem Goethe-Institut. Aus Serbien kam Frau Cornelia aus Subotica, die im Rathaus als Juristin arbeitet. Sie bedankte sich bei den deutschen Lehrern, die mithelfen, und bei der Österreichischen Landsmannschaft für die Unterstützung. Im serbischen Banat wurde ein zweisprachiges Sommerlager organisiert und Aktivitäten im ehemaligen deutschen Theater wurden auch erwähnt. Sie machen auch kleinere Projekte, wie z.B. Filme, oder Befragungen von älteren Mitgliedern. Herr Schmiedl aus der Ukraine erwähnte Kinderlager und Studienaufenthalte in Österreich. Sie wollen auch Kinder aus der Ostukraine einbinden, die vor kurzem unter russischer Besatzung waren.

Nach den Berichten folgte dann ein gemeinsames Mittagessen und einige Teilnehmer nahmen dann noch an einer Besichtigung von Wien teil.

M.R.

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