In Verbundenheit und Liebe zur Heimat
(Deutsch-tschechische Maiandachten mit der SL Bayern 22. 5. 2021)

M.R.

Am Pfingstsamstag befinden sich alle, die aus Böhmen, Mähren oder Schlesien kommen, oder dazu einen Bezug haben, in einer Halle beim Sudetendeutschen Tag. Corona veränderte nach 70 Jahren schon das zweite Jahr diese Regelmäßigkeit. Die „verbliebenen“ Deutschen in Tschechien fahren sehr gerne zu diesem größten Treffen der „Deutschböhmen:“ zum einen, um sich mit Verwandten und Bekannten zu treffen, zum anderen, um dort die Vereinsarbeit zu präsentieren und vor allem: die Verbundenheit mit den Vertriebenen zu zeigen. An diesem Tag im Mai 2021 erlebten die Deutschen aus Netschetin und Umgebung auch das Gefühl der Verbundenheit und dabei haben sie das Land der Vorfahren nicht verlassen!

 

Der Landesobmann der Sudetendeutschen in Bayern, Steffen Hörtler, nahm die Einladung zu einer Deutsch-tschechischen Maiandacht im östlichen Egerland wahr und kam mit seinem Mitarbeiter Andreas Schmalcz nach Netschetin, um die gemeinsame Liebe zur Heimat und die Verbundenheit zwischen den „Vertriebenen“ und den „Verbliebenen“ zu bezeugen. „Weißt, Richard, ich kenne mich im ganzen Sudetenland ziemlich gut aus, aber in dieser Ecke war ich noch nie“, sagte Steffen beim Kaffeetrinken nach der Ankunft. Diese Deutsch-tschechischen Maiandachten organisiert der „Bund der Deutschen in Böhmen, e.V.“ schon mehr als zwanzig Jahre. Immer abwechselnd in Plachtin, Preitenstein(Hrad Nečtiny), Deutsch Neustadl (Nové Městečko) oder Netschetin (Nečtiny) werden bei den Kapellen, Mariensäulen oder in der Kirche tschechische und deutsche Litaneien gesungen.

Måla Richard ersetzt den Bayerischen Ministerpräsidenten

Seitdem der P: Günther Ecklbauer, OMI aus Österreich die Verwaltung der Pfarrei in Manetin, zu der auch Netschetin gehört, übernahm, ließ er sich nie die Gelegenheit nehmen, dabei zu sein. Beim Gespräch vor der ersten Andacht an der Plachtiner Mariensäule bei den „Målas“ sagte Steffen Hörtler zu ihm: „Heute würde ich normalerweise den Bayerischen Ministerpräsidenten in unseren Reihen begrüßen, heute begrüße ich den Richard hier!“ Gemeinsam legte er dann mit Andreas Schmalcz einen Kranz an der Muttergottes-Säule nieder, mit der Inschrift: „In Verbundenheit und Liebe zur Heimat – Sudetendeutsche Landsmannschaft, Landesgruppe Bayern“. Der Verlauf der Andachten ist immer ähnlich: nach einer Strophe eines Marienliedes in Tschechisch folgt die Begrüßung durch den Pfarrer, der auch Texte zum Nachdenken mitbringt. Dann folgt die „Lauretanische Litanei“ in Tschechisch, vorgetragen vom Måla Richard Šulko. Zum Abschluss des tschechischen Teiles folgt wieder ein tschechisches Marienlied. Der zweite, deutsche Teil, ist dann ähnlich aufgebaut.

Eine besondere heilige Messe


Nach Plachtin kam Netschetin und die St. Jakobus-Kirche an die Reihe. Weil noch eine Stunde Zeit war, lud der Måla Richard die besonderen Gäste zum Mittagessen in die Gaststätte „Am Rathaus“ ein. Wegen Corona-Maßnahmen musste man draußen im „Biergarten“ beim starken Wind das Mittagessen einnehmen, aber nur die Tatsache, dass man die Grenzen überhaupt mit einem geringen Aufwand überschreiten kann und außerdem noch etwas essen kann, ist schon nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie ein Wunder! Nach der Maiandacht in der Kirche folgte ein besonderer Gottesdienst: eine Taufe stand an diesem Pfingstsamstag auf dem Programm. Weil in Netschetin die Gottesdienste am Samstag stattfinden und zwar mit Sonntagstexten, war das auch etwas Anderes. Schade nur, dass die Orgel wegen überhitztem Motor nicht funktionierte. „Da müsst ihr noch einmal kommen!“ verabschiedete sich der Vorsitzende Måla Richard von den besonderen Gästen aus Deutschland.

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