Auf Goethes Spuren
(Bildungsseminar in Elbogen, Hotel zum Weißen Ross 19.- 21. November 2021)
M.R.

Der Bund der Deutschen in Böhmen, e.V. (BdDB)veranstaltete Dank der finanziellen Unterstützung durch das deutsche „Ministerium des Innern, für Bau und Heimat“ ein Bildungsseminar in Elbogen/Loket. Zu diesem Seminar wurde auch der „Verein der Deutschen-Region Pilsen, e.V.“ eingeladen, weil diese zwei Verbände schon jahrelang eng miteinander bei verschiedenen Projekten zusammenarbeiten. Der Austragungsort war diesmal ganz etwas Besonderes: das Hotel „Weißes Ross,“ in dem Johann Wolfang von Goethe in den Jahren 1807, 1808, 1810, 1811, 1818, 1819 und 1823 weilte. Das dreitätige Programm war wieder sehr reichhaltig und so interessant, dass zwei Teilnehmer sogar aus Havířov, bzw. Troppau auf Einladung des Pilsner Verbandes kamen.

Nach der Zimmerbelegung am Freitagabend begrüßte der Vorsitzende vom BdDB, Richard Šulko, die Anwesenden und kurz danach startete schon der erste Vortrag vom Martin Krsek aus dem Museum in Aussig a.d. Elbe: „Das deutsche und tschechische Epos des Fabrikanten Schicht aus Aussig a.d. Elbe.“ Gleich am Anfang zeigte Krsek das Bild von Emanuel Boháč, welches die Gründung der Tschechoslowakei auf dem Wenzelsplatz zeigt. Danach schilderte Krsek die Geschichte der Firma Schicht. Das Pflanzenfett Ceres war zu seiner Zeit Nummer Eins in Österreich-Ungarn. Die Seife Marke Hirsch gibt es schon seit 1891. Georg Schicht gründete die Firma in Ringelshain bei Reichenberg. Am Anfang der Firma stand ein Fleischer, seit 1848 auch ein Seifensieder. Johann Schicht war der geschickteste Sohn der Familie, welcher die Firma führte. Im Jahre 1882 baute Schicht in Schreckenstein die erste größere Fabrik. Johann führte die Firma bis 1907, dann übernahmen das Ruder seine Söhne Georg und Heinrich Schicht.

Der höchste Schornstein in der Monarchie

Zu seiner Zeit hatte die Firma Schicht in Schreckenstein den höchsten Schornstein in der Monarchie. 1929 ließen sich die Schichts sogar einen Prototypen eines Automobils bauen, welcher dann aber nicht in Serie hergestellt wurde. Die Firma wurde dann mit Unilever verbunden. Nach 1945 wurde die Firma enteignet und wurde zum staatlichen Betrieb Setuza. Ein Teil der Firma war aber britisches Eigentum, deshalb wurde dieser Teil entschädigt. Die Firma Schicht wurde bekannt wie Alpa oder Bata, hatte aber das Marketing viel bester. Z.B. der Flug-Schichtpreis in 1914 diente auch zu Werbezwecken, aber es starben dabei zwei Piloten. Die Werbung auf Luftballons war auch sehr beliebt. Georg Schicht wurde zum Vertriebsleiter, seine Räte kamen aus den USA. Der erste Tonfilm in der CSR war eine Werbung der Firma Schicht. Ich fand das koschere Pflanzfett „OMEGA“  sehr interessant. Und das Epos? Es gab zwölf Bilder aus der Böhmischen Geschichte, acht Bilder aus der deutschen und zwei aus der slowakischen. Durch die Wirrnisse der Geschichte sind viele Bilder aus diesem Epos verschwunden. Mal sehen, ob das Museum einmal die Sammlung vervollständigen kann….

Unser Egerland

Der Samstagvormittag gehörte drei Vorträgen. Die ersten zwei waren: Vortrag von Filip Prekop: „Náš (unser) Egerland“ und Vortrag von Filip Prekop: „Náš (unser) Egerland II“

Filip Prekop ist Archäologe und in seiner Freizeit rettet er ein Mittelalterliches Haus in St. Joachimsthal. Am Anfang seines Vortrages erwähnte Prekop das Jahr 1000 unseres Zeitalters. Im Jahre 1061 widmete Heinrich IV. dem „Ministerial“ Otan einen Waldteil im Nordgau an der Grenze zu Eger. Die „Ministerialis“ bekamen große Liegenschaften zur Verwaltung. 1125 baute Diepold II. v. Giengen und Vohburg eine erste Burg aus Stein: das war damals neu! 1266-1322 war Eger Freie Reichstadt und richtete sich nach der Nürnberger Gesetzgebung. Ganz wichtig war im Egerland das Jahr 1322, in dem die Stadt Eger und das dazugehörende Landgebiet von Kaiser Ludwig dem Bayern 1322 dem Kurfürsten und König von Böhmen Johann von Luxemburg verpfändet wurde. Der wohl bekannteste Ofen von Willy Russ bekam in dem Vortrag auch viel Raum. Wie Prekop sagte: „Kritisches Denken soll man nicht vergessen: in mehreren Quellen suchen und nachdenken!“ Keiner von den Teilnehmern wusste, dass es einen Mondkrater mit dem Namen Cheb gibt. Eigentlich dauerte das „offizielle Egerland“ von 1135 bis 1751, als der Egerer Landtag aufgelöst wurde. Es gab zwei Zentren im Egerland: die Städte Eger und Elbogen.


Das Rezept vom Becherbitter

Noch vor dem Mittagessen trug Mgr. Milan Augustin, Leiter des Karlsbader Kreisarchives, den Vortrag „Schicksal des Karlsbader Becherbitters“ vor.  Vorerst rief aber Augustin zur Diskussion auf: „Sie, die ´Verbliebenen´ sind ja ein Beispiel des Zusammenlebens zwischen den Deutschen und den Tschechen. Erzählen sie mir bitte, wie sie das fühlen.“ Nach einer kurzen Runde kam dann auch das Thema des Magenlikörs. Das ganze Schicksal dieses nicht nur bei den Egerländern beliebten Trunkes war aber noch viel interessanter, als nur das unter Drohung der Gewalt gewonnene Rezept des Magenlikörs. Nach dem Mittagessen folgte die Führung durchs Stadtmuseum in Marienbad durch den dortigen Direktor Jaromír Bartoš. Der Spaziergang durch die Innenstadt von Marienbad diente als „Aushungern“ vor dem Abendessen. Es folgte dann ein geselliges Zusammensein mit dem Duo „Bara und Adel“ mit dem Karel Švec. Die Teilnehmer mischten sich in eine Reisegruppe aus Gera und es war ein schöner Abend mit vor allem alten deutschen Volksliedern. Sonntagvormittag wurde noch kurz evaluiert und mit zufriedenen Gesichtern ging es noch zum Gottesdienst in die St. Wenzel-Kirche und danach zum Mittagessen. Gestärkt an Körper und Seele traten dann die Teilnehmer wieder den Heimweg an.

 

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