Für die gemeinsame Heimat auf dem Podium

  1. Sudetendeutscher Tag in Hof, 3.- 5. Juni 2022

Dank der finanziellen Unterstützung seitens des „Bundesministeriums des Innern und für die Heimat“ konnte auch der Verein der deutschen Minderheit aus Netschetin, der „Bund der Deutschen in Böhmen, e.V.“ wieder zu einem Sudetendeutschen Tag fahren um seine Arbeit präsentieren zu können. Diesmal war der Weg der schnellste von allen Sudetendeutschen Tagen, weil dieser diesmal in Hof an der Saale in Oberfranken stattfand. Unter dem Motto "Dialog überwindet Grenzen" kamen nicht nur Vertriebene und ihre Nachkommen, sondern auch mehrere Verbände aus ganz Tschechien, für die die Teilnahme der Höhepunkt ihrer Arbeit ist. An den einzelnen Vereinsständen kann man nämlich sehr gut die Vereinsarbeit zeigen und neue Kontakte knüpfen.

 

Für die Netschetiner war es eine Selbstverständlichkeit, dass sie mit ihrer Standausrüstung nach Hof fuhren. „Es wäre schön, dass sie auch ihre Tracht aus dem östlichen Egerland am Freitag präsentieren würden,“ schrieb die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Frau Christina Meinusch, den Vorsitzenden Richard Šulko an. Aus Anlass des Sudetendeutschen Tages präsentierte nämlich die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen die Vielfalt der heimatlichen Trachten. Es wurden Trachten aus dem Egerland, Schönhengstgau, Mährisch-Schönberg, Böhmerwald, der Wischauer Sprachinsel, dem Kuhländchen, Chotischau, der Fränkischen Schweiz und dem Landkreis Hof präsentiert. Zu dieser Anfrage kann man nicht nein sagen, denn Trachten gehören zu den wichtigsten Merkmalen unserer Identität und weil das Ehepaar Richard und Irene Šulko eine neu genähte Tracht aus dem Jahre 1870 aus der Gegend Rabenstein, Luditz und Manetin trägt, war das doch eine Bereicherung für diese Präsentation.

Wenn die ganze Familie mitmacht…

Am Samstagfrüh ging es von Plauen, wo die Netschetiner untergebracht waren, nach Hof. Sofort wurde der Stand „betriebsbereit“ gemacht und Besucher konnten kommen. Die Sudetendeutschen sind eine große Familie und es ist egal, ob das die Vertriebenen oder die Verbliebenen sind. Meistens sind es auch die einzelnen Familien, die die Kultur und Traditionen in Generationen weiterpflegen. Auch die ganze Familie der Vorsitzenden Šulko war bei dieser Begegnung vertreten: Vater Richard als Vorsitzender vertritt den Bund und gleichzeitig bildet er mit seinem Sohn Vojtěch das Duo „Målaboum,“ welches die Ehre bekam, auch im Programm des Sudetendeutschen Tages mitzumachen. Der ältere Sohn Richard Šulko jr. war wiederum Helfer bei den organisatorischen Arbeiten und Tochter Terezie Jindřichová vertritt den „Verband der Deutschen in Böhmen-Region Pilsen, e.V.“ Der Standbetrieb war im ersten Stock der Hofer Freiheitshalle sehr gut. Neben  „Gugelhupf“ zum Ausprobieren wurden Ansichtskarten und das neue Buch von den Målaboum: daham! zum Verkauf angeboten. Am Nachmittag wurde es ernst: „Na, ich hoffe, dass wir es hinkriegen“ sagte der Måla Richard (Šulko) zum Vojtěch. Die Tonprobe im Großen Haus der Freiheitshalle stand nämlich bevor. Inzwischen kamen auch interessante Gäste zum Stand der Egerländer aus Netschetin: Pavel Bělobrádek, Parlamentsabgeordneter für die Christliche Demokratische Union, Radek Novák, neuer Vorsitzender des „Kulturverbandes“ mit der ehemaligen Vorsitzenden Frau Irene Novák und viele andere.

Das Beste vom Besten…..

Am Samstagabend findet immer der Große Volkstumsabend statt. Unter der Regie und Moderation von Roland Hammerschmied wurde auch im Jahre 2022 ein sehr abwechslungsreiches Programm vorbereitet. Aufgetreten sind: die Egerländer Familienmusik Hess, die Egerland-Jugend, die  Gartenberger Bunkerblasmusik, die Målaboum, Tomáš Spurný und als Gäste: die Volkstanzgruppe Hof und die Volkstanzgruppe Javorník mit der Kuhländer Tanzgruppe aus Tschechien. In einem zweistündigen Programm wurde also alles angeboten: böhmische Blasmusik, Egerländer Volksmusik, Volkstänze und Zitherspiel. Vor hochrangigen Gästen ist es immer ein wenig spannend, aber zuletzt herrscht immer Freude nach gelungenem Auftritt in dieser feinen Gesellschaft.

Pfingstsonntag: volles Programm…

Um acht Uhr ging der Weg aus Plauen nach Hof, weil um neun Uhr der Gottesdienst begann. Beim Betreten der Freiheitshalle kam der Bundesjugendführer der „Egerland-Jugend,“ Alexander Stegmaier auf den Richard Šulko zu: „Wir brauchen jemanden als Ministranten für S.E. František Radkovský, Bischof em. von Pilsen, der der Hauptzelebrant war. Auch Fahnenträger sind gefragt.“ Es zeigte sich wieder die „Familienkraft“ der Egerländer aus Netschetin: Vater Richard lief schnell zum Auto und holte die Vereinsfahne, die richtig mit dem Gnadenbild aus Maria Stock nach vorne angebracht wurde und Sohn Vojtěch bekam den Bischofsstab in seine Obhut. Nach dem Pontifikalamt ging es schnell zur Aufstellung zum Einzug der Fahnenabordnungen und Trachtengruppen zur Hauptkundgebung. Diesmal wurde das Vereinsbanner mit dem Trachtenpaar nach vorne montiert, damit die Zuschauer wissen, wer da einmarschiert: den Bund der Deutschen in Böhmen vertraten der Vorsitzende Richard Šulko, seine Frau Irene, weiter der älteste Sohn Richard, der jüngere Sohn Vojtěch und Tochter Terezie.

Zither zur Unterhaltung….

Die Målaboum bekamen zum ersten Mal auch die Aufgabe, beim Böhmischen Dorffest mitzumachen. Es war ein wenig schwierig, in diesem „Bienennest“ zu spielen, aber ein guter Verstärker überschallte die sich laut unterhaltene Menschenmenge. Den Abschluss des Tages machten noch die Mundartlesungen, an welchen sich auch der Måla Richard (Šulko) beteiligte und dann hieß es nur: aufräumen und wieder nach Hause! Nach einem kurzen Aufenthalt hinter der Grenze in Mühlbach (Pomezí nad Ohří), wo man ein spätes Mittagessen einnahm, kamen die Netschetiner Egerländer um halb acht wieder nach Hause mit einem guten Gefühlt, dass sie würdig als Verbliebene das Egerländer Kulturhut präsentierten. Danke für die Einladung, es war wieder ein hervorragendes Treffen!

M.R.

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