1. Egerländer Autorenlesung
  2. 9., 1.- 2. 10. 2022

Dank der Zuwendung des „Bundesministeriums des Innern und Heimat“ und der Gemeinde Netschetin/Nečtiny konnte auch im Jahr 2022 mit den Lesungen des letzten in Egerländer Mundart schreibenden Autors, welcher in Tschechien lebt, fortgeführt werden. Måla Richard (Šulko) lebt am Plachtin bei Netschetin und mit seinen 62 Jahren kann er noch diese halb vergessene Sprache des deutschen Stammes in Westböhmen nicht nur dem Fachpublikum, sondern auch dem Mehrheitsvolk präsentieren. Dass auch die „verbliebenen“ Egerländer dazukommen, ist selbstverständlich. Dabei war auch der Sohn Vojtěch Šulko, der seinen Vater auf die Zither begleitet, gemeinsam bilden sie die „Målaboum“.

Die erste Lesung am 10. September mitorganisierte das Karlsbader Museumwelches seinen Sitz direkt gegenüber dem Grandhotel Pupp hat.  Die Stärkung für die Lesung war also klar: in dem im altösterreichischen Stil gebauten Hotel nahmen die Målaboum das Mittagessen ein und waren damit für den Auftritt richtig vorbereitet. Leider fiel die Lesung gerade auf einen Tag, wo in der Stadt ein Stadtmarathon stattfand. Und die Route führte direkt am Museum vorbei. Straßensperrungen und Lärm waren also die Begleiter an diesem Nachmittag. Scheinbar auch deswegen kamen nur neun Leute zur Lesung, aber wie sich zeigte, bildeten die Zuhörer ein Fachpublikum, was sich nach der Lesung bei einer Diskussion ergab.

Auf Komotau ist Verlass

Die zweite Lesung mitorganisierte der örtliche „Kulturverband“ in Komotau, an der Spitze mit Alice Hlaváčková. Die wählte diesmal das Restaurant „Bei den Rittern,“ weil sie das mit der Herbstversammlung des Verbandes verband. Mit siebzehn Teilnehmern lag Komotau wieder an der Spitze der Teilnehmerzahl bei den Lesungen und es lag nicht nur daran, dass die dort lebenden Deutschen auch die Egerländer Mundart verstehen. Gute organisatorische Arbeit von der Alice, die im Minderheitenausschuss der Stadt Komotau arbeitet und trotz der Tatsache, dass sie einen kleinen Sohn hat, sich für die deutsche Minderheit opfert. Vielen Dank für die jahrelange, sehr gute Zusammenarbeit! 

Im schönsten Raum

Die dritte Lesung mitorganisierte die „Hroznata-Akademie“ im Stift Tepl. Frau Eliška Radová begrüßte die Målaboum mit folgenden Worten: „wir haben für die Lesung den wunderschönen Kapitelsaal vorbereitet, er hat aber ein kleines ´Häkchen´, er wird nicht beheizt.“ In den Klöstern weltweit schwitzt man nirgendwo, auch nicht an heißen Sommertagen, im Tepler Hochland ist es aber noch viel schlimmer. Beim Betreten des ehemaligen Winterrefektoriums, welches nach 1945 komplett ausgeraubt wurde, stellte man fest, dass es dort wirklich ein weinig kälter ist. Gut, dass sich die beiden Künstler in dem Klosterrestaurant gestärkt hatten und die eineinhalb Stunden dann aushielten. Nur das Zitherspiel war mit den kalten Fingern ein wenig schwieriger. Belohnt waren die Målaboum und die zwölf Zuhörer aber mit wunderbaren Deckfresken von Anton Waller aus dem Jahre 1913 und einer sehr guten Akustik des Raumes. Man versteht nicht, warum dort keine Stühle aufgestellt sind, aber wenn man an den Bänken entlang der Fenster sitzt, hört man die Zither auch sehr gut. Für den Måla Richard war es die größte Freude, dass zu der Lesung ein Geschichtslehrer aus Marienbad kam, der nicht wusste, dass es noch die Egerländer Mundart gibt. Deshalb bot der Måla Richard gleich einen Vortrag in der Schule an, damit die Kinder auch wissen, welch reiches und einzigartiges Kulturgut es im Egerland gab und immer noch gibt.

Die ganze Leserreihe war also wieder ein voller Erfolg und die „Målaboum“ freuen sich schon auf die nächste Lesereise im Jahre 2023!

M.R.

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