Eisiger Wind, eisiger Regen, aber mit einem warmen Herz.
29. Deutsch-tschechische Jugendbegegnung in Tepl 26.- 29. Mai 2022

Christi Himmelfahrt 2022: schon 29 Jahre fahren Egerländer vom „Bund der Deutschen“ aus Netschetin und die „Egerland-Jugend“ im Bund der Eghalanda Gmoin e.V. zum alten Prämonstratenser Klosterfriedhof, um gemeinsam die Freundschaft zu pflegen, Deutsch zu üben und einen Teil der deutschen Geschichte in einen würdigen Zustand zu bringen. Dieses Projekt, welches aus dem deutschen Haushalt mittels des „Bundesministerium des Innern und für Heimat“ durch den Beschluss des deutschen Bundestages finanziert wird, ist die beliebteste Maßnahme des „Bundes“ vor allem bei Kindern. Was kam also auf die Teilnehmer dieser Begegnung beim Grasmähen, Rechen und Aufstellen der Grabsteine zu?

„Ich weiß, dass die Einladung kurzfristig ist, aber in der heutigen Zeit muss man halt flexibel sein,“ rief am Dienstag, also zwei Tage vor dem Beginn der Aktion, der Vorsitzende des „Bundes der Deutschen in Böhmen, Richard Šulko jeden einzelnen Helfer an. Die meisten hatten zwar diesen Termin schon vom letzten Jahr in ihrem Terminkalender, aber einige hatten schon für das Wochenende andere Verpflichtungen eingeplant. „Na, mal sehen, wer kommt,“ sagte Šulko dem Bundesjugend-Führer der „Egerland-Jugend,“ Alexander Stegmaier, als er am Donnerstag kurz nach dem Mittagessen in Tepl ankam. „Die Wettervorhersage ist ja auch nicht besonders, mal sehen, was wir alles schaffen,“ so Šulko zum Alex.

Kalter Wind und Regen jagten aus dem Friedhof…

Am Donnerstag kamen sechs Leute aber am Freitag waren schon zwölf fleißige Helfer am Werk. Die jüngsten Teilnehmerinnen waren die Anna und Kristine mit elf Jahren, die älteste Elfriede Šulková mit 82 kam aus Plachtin. Schon am frühen Freitagvormittag zogen dunkle Wolken über das Tepler Hochland und gegen Mittag wurde es wirklich ganz schön düster. „Um elf Uhr fängt es an zu regnen,“ zeigte Jan Baumruk sein Handy mit der örtlichen Wettervorhersage. Auch der Tomislav Dáňa aus Bergstadt Platten, der ein kaltes und nasses Wetter aus dem Erzgebirge gewöhnt war, meinte, dass etwas kommt. Und es war wirklich so. Nach dem Mittagessen holten sich noch einige Teilnehmer vom „Vietnamesen“ Regenjacken, aber als um 16 Uhr starker und kalter Wind kam, noch „verschönert“ durch einen starken Regen, musste man eine Stunde früher die Arbeitsaktivitäten beenden, da ging es schon langsam um die Gesundheit.

Grab der kleinen Kinder…

Am Samstag packten dann 17 Helfer an und der Container, welcher mit dem Werkzeug kostenlos von der Stadt Tepl zur Verfügung gestellt wurde, füllte sich sehr schnell. Es waren nämlich sechs Motorsensen im Einsatz. Vor dem Mittagessen wurde alles gemäht und nach der Mittagspause warfen sich alle auf das Abfahren des gemähten Grases. Die stärksten Männer nahmen sich der größten Anforderung an: Aufstellen der umgefallen Grabsteine. Eigentlich sind das umgeworfene Grabsteine, die entweder vom Rindvieh umgestürzt wurden, oder vom anderen Vieh, welches aber zwei Beine hat. Das ist eine „NeverEnding Story,“ aber man muss jedem ein Beispiel der Würde eines jeden Menschen zeigen, der auf diesem Friedhof ruht. Auf diesem heiligen Feld sind nicht nur Äbte und Angestellte des Klosters bestattet, sondern auch Menschen aus den umliegenden Dörfern, die zur Pfarrei Kloster Tepl gehörten. Nach der Vertreibung dieser Menschen 1946 wurden diese Gräber der Natur überlassen. Die Kinder unter der Führung von Tomas Leicht nahmen sich des Grabes des Müllermeisters Karl Helmer aus der Stiersmühle an. In diesem Grab ist er begraben, sowie seine fünf Kinder, die noch ganz klein, oder gleich bei der Geburt starben. Dieses Grab wurde mit Blumen verschönert, die angepflanzt wurden. Alle Teilnehmer versammelten sich dann an diesem Grab und Richard Šulko erzählte dann die Geschichte der Nachkommen Helmers, die sich vor etwa 20 Jahren nach so einer Begegnung bei ihm meldeten, als sie den Artikel über die Jugendbegegnung gelesen hatten.

Zwei Stunden Sonnenschein…

Als die Wende 1989 kam und die „Egerland-Jugend“ nach einem Zeichen der Zusammenarbeit und Rettung der Kultur der Deutschböhmen, fiel die Wahl auf diesen Friedhof, weil von den Prämonstratensern aus, die Kultur und Ausbildung nach ganz Westböhmen, das heißt ins Egerland kam. Als „Belohnung“ für die harte Arbeit bekamen dann die schon müden Helfer zwei Stunden Sonnenschein. Der Sonntag gehörte noch dem gemeinsamen Gottesdienst und dem Mittagessen, nach dem dann wieder alle Richtung nach Hause fuhren.

M.R.

 

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