Weihnachten 2016 daham
 

Unter geistlicher Aufsicht…..

Die schönste Zeit im Jahr erreichte Plachtin mit Nieselregen und Temperaturen über Null. Die Gesellschaftsatmosphäre liegt aber schon mehrere Monate tief unter dem Gefrierpunkt. Umso wichtiger ist es, an unseren christlichen Gewohnheiten festzuhalten und das Fest der Geburt Christi so zu feiern, wie es unsere Vorfahren jahrhundertelang gemacht haben. Für uns Christen um den Netschetiner St. Jakobus wird´s ernst am vierten Adventssonntag. Nach dem Gottesdienst werden Thermosflaschen mit heißem Tee herausgenommen und ein wenig „Božkovký“ gehört auch dazu. Das Schmücken der Kirche fängt an. Wie tief der wahre Glaube sitzt kann man an der Zahl der Menschen sehen, die nach einer Stunde in der eiskalten Kirche noch eine Stunde mit durchgefrorenen Händen die Weihnachtsbäume schmücken. Auf mir lag wieder die wichtige Aufgabe, die Krippe aufzustellen. Heuer hatte ich eine hochqualifizierte Aufsicht: P. Günther Eckelbauer  half mir dabei.

 

Der Heiligabend mit Egerländer Klassik….

Zu Mittag gibt es in meiner Familie schon jahrelang die Egerländer Klassiker: „Zwetchkensoß mit Platzkan“. Die „Erdäpfel Pfannkuchen“ werden in einer speziellen Pfanne gebacken, weil wir keinen klassischen Küchenherd mit Eisenplatten haben, unter dem Feuer brennt.  Leider ist die Pfanne, die immer nur einmal im Jahr zum Einsatz kommt, nach zwei Dritteln der „Platzkan“ kaputtgegangen. Aber es waren schon genug für alle gemacht und damit war das Essen doch komplett. Um sechzehn Uhr fand in unserer Kirche kein Gottesdienst wegen Pfarrermangels statt. Etwa fünfundzwanzig Menschen kamen aber, Hirtenlieder vor der Krippe zu singen. Auf der Orgel spielte Elfriede Šulko. Ich hatte am Tag zuvor aus Pilsen unter abenteuerlichen Umständen das „Licht aus Bethlehem“ gebracht und damit konnte jeder das Licht mit nach Hause nehmen.

Zum Festmahl am Abend kam auch die Schwiegermutter zu uns, denn sie ist seit April verwitwet. Nach dem Gebet und zweisprachiger Lesung aus dem Lukas-Evangelium über die Geburt Christi griffen wir zum Besteck: Schwiegermutter und Frau Irene nach einem Karpfen, ich und mein Sohn Vojtěch nach dem “Karpfen aus dem Hühnerstall“. Geschenke gab es heuer nicht so viele, umso mehr aber mit viel Liebe und „Alltagsgebrauchstauglichkeit“ ausgesucht. Ich freute mich riesig über eine „Doppel-LP“ mit Smokie, die in weißem Vinyl gepresst ist. Auch andere waren mit ihren Geschenken sehr zufrieden. Der jüngste Sohn hatte es eilig: er musste nach Pilsen zu seiner Lieben fahren und die Mitternachtsmesse in der Pilsner Kathedrale mit dem neuen Pilsner Bischof Mons. Tomáš Holub besuchen. Ob wir mit der Oma am nächsten Heiligabend allein sein werden?

 
Im Weihrauch versteckt….

Das Festmahl bei Målas war klassisch: Schweinebraten, Rotkraut und „Buazla“. Gestärkt ging es zur Heiligen Messe. Weil ich auch wieder den Weihrauch bedienen sollte, fuhr ich schon eine Stunde vor dem Beginn mit meiner Mama in die Kirche um alles vorbereiten zu können. Die Erfahrungen vom letzten Mal zeigten, dass ich mir viel mehr Mühe mit dem Anbrennen der Holzkohle machen muss: im billigen Geschäft billig eingekauft: in dem Sack sind ganze Baum-Äste drin und es will nicht brennen. Nur dank vierzigjähriger Erfahrung kam das „Ding zum Laufen“. „Warum willst du nicht die gepressten Tabletten nehmen?“, fragte Pfarrer Martin Sedloň, „Aber das wäre unter deinem Niveau, oder?“ Es war ein schöner Gottesdienst, mit zwei Ministranten aus der Familie Šulko: Sohn Vojtěch und das älteste Enkelkind, Richard V. Nach dem Gottesdienst besuchte ich noch meine Mama und den Abend verbrachten wir beim Glasl „Tokajer“ mit Gesprächen und Musikhören. Dafür ist im Jahr zu wenig Zeit!

 
Löiwas Christkinnal, dånk schäi(n, dass du za uns kumma bist!
 

Richard Šulko

 

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