Wellness für die Seele
42. Sudetendeutsche Mundarttagung 8.- 10. März 2019 in Bad Kissingen

Immer Anfang März führen die Wege der aus Böhmen, Mähren und Schlesien stammenden Mundartsprecher nach Bad Kissingen, wo eine Mundarttagung stattfindet. So war das auch am zweiten Wochenende im März 2019. Drei Tage lang konnte man Fachvorträge hören und jeder konnte die Mundart seines Heimatdorfes präsentieren. Die beliebteste Tätigkeit ist immer die Hausaufgabe, die jeder Teilnehmer mitbringen muss.

Nach der Anreise und Genuss von Kaffee und Kuchen führten die Wege in den Besprechungsraum, wo die Begrüßung durch die Vorsitzende des Freundeskreises, Frau Ingrid Deistler, erfolgte. Die Einführung ins Programm machte die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Frau Dr. Zuzana Finger. In der Vorstellungsrunde konnte jeder über seine Herkunft und sein Schicksal erzählen. Monika und Franz Hanika erzählten über eine „Friedländer Kaffeerunde“ in Hünfeld, wo die Isergebirgs-Mundart gepflegt wird. Roland Hahn aus Bernklau brachte sein Egerland-Deutsches Wörterbuch aus Bernklau, Wustung und Gamling mit. Aus Mokrau b. Luditz kam Herr Rudolf Klieber, der noch im Egerland geboren wurde. Beim Federnschleißen konnte er nach der Vertreibung mit seinen Schwestern Mundart sprechen.  Aus dem heutigem Tschechien kamen zur Sitzung: Alois Galle aus dem Adlergebirge und der Måla Richard aus dem Egerland. Der schönste Begriff kam bei der Vorstellungsrunde von Frau Renate Lux: „diese Begegnung ist für mich immer  ´Wellness für meine Seele“.

Vortragssamstag

Der Samstag gehörte den Fachvorträgen. Als erster kam Dr. Mojmír Muzikant von der Brünner Universität mit dem Vortrag „Zu einigen Besonderheiten in den deutschen Dialekte Mährens und Schlesiens“ an die Reihe. Das Interessanteste waren wohl die verschiedenen Personalpronomina im Schönhengst und die These, dass der Olmützer Bischof Bruno von Schauenburg, der aus Holstein stammte, ins Zwittauer Gebiet im 13. Jahrhundert Kolonisten mitbrachte. „Was heißt ´Schlesien' und in unseren Mundarten ´schlesisch´?“ hieß der Vortrag vom Dr. Richard Rothenhagen. Frau Etta Engelmann aus Falkenau stammend, hatte eine Schreibwerkstatt übers Schreiben einer Kurzgeschichte vorbereitet. Eine solche soll nicht mehr als 15 Seiten haben und soll „ein Stück vom herausgerissenen Leben“ beschreiben. „Man beschreibt nur das, was man durch ein enges Röhrchen sieht“. „Schmückende“ Worte sollten auch benutzt werden, Abstraktes ist zu vermeiden. Viel Spaß machte die Aufgabe: man sollte einen gefräßigen Partner beschreiben, welchem ich in einem Restaurant begegne. Sehr amüsante Aufgabe vor dem Mittagessen! 

Deutsche Minderheit in Tschechien und die Mundarten

Herr Mgr. Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, berichtete über die Mundart als Muttersprache bei der deutschen Minderheit in Tschechien und über die aktuelle Lage der deutschen Sprache im Land. Der interessanteste Teil war die Rätselecke, in dem die Seminarteilnehmer Begriffe in Mundart aus dem Adlergebirge zu erkennen versuchten. Nach Martin Dzingel folgte wieder die Schreibwerkstatt mit Etta Engelmann, die bis zum Abendessen dauerte. Nach dem Abendessen trafen sich alle Teilnehmer wieder im Besprechungsraum und es wurde weitergearbeitet. Es wurden die weiteren Hausaufgaben vorgetragen und die verschiedensten Volkslieder erklangen auch an diesem Abend. Der Sonntagvormittag startete mit dem Vortrag vom Marek Halo: „Wetter und Tätigkeiten auf dem Feld, im Hof und im Garten“. Weil Halo verhindert war, trug seinen Vortrag Dr. Richard Rothenhagen vor. Nach weiteren Mundartpräsentationen wurden noch Themen für die nächste Mundarttagung am 6.- 8. März 2020 besprochen und dann hieß es nur: „Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal“!

Måla Richard (Šulko)

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