Die blöde Sommerzeit
(Ostern 2016 im östlichen Egerland)

Richard Šulko

Gründonnerstag

Gründonnerstag ist in Böhmen ein ganz normaler Arbeitstag. Nach den Arbeitsverpflichtungen, die ich am Vormittag erledigt habe, sind wir in die „Großstadt“ Pilsen gefahren. Neben Besuch eines Kranken und Einkäufen für das Osterfest konnte ich noch den „Schwesterverein“ der Deutschen in Pilsen besuchen, der einen „Workshop“ für den Osterschmuck organisiert hat. Unter der Leitung von der Vorsitzenden und Leiterin des Begegnungszentrums Terezie Jindřichová wurden die verschiedensten Sachen für Tür, Tisch und Vase produziert.

 

Karfreitag

In diesem Jahr konnte man in unserem Land zum ersten Mal einen freien Tag genießen. Vormittag erledigte ich noch ein paar Sachen für meine Firma und den Verein und gleich nach dem Mittagessen ging es los: gleich vier Osterruten habe ich für meine drei Enkelkinder und mich selber produziert. Um drei Uhr besuchte ich die Nachbarpfarrei in Theusing, um dort die Gläubigen zu stärken. In unserer Netschetiner Kirche ist es „saukalt“ in diesen Tagen, aber das ist nichts gegen Theusing! Zuerst der Kreuzweg und dann die Erinnerung an Leiden und Tod Christi: nach fast zwei Stunden in der Kälte hat auch ein warmer Kaffee nicht viel geholfen und ich bin ein wenig erkältet nach Hause gekommen.

Karsamstag

Kurz nach der Wende organisierte der „Bund der Eghalanda Gmoin e.V.“ in Eger gemeinsam mit der „Egerland – Jugend“ in Eger ein Bildungsseminar mit dem Thema „Ratschnbau“. Damals haben wir drei diese „Osterinstrumente“ produziert, die aber bis heute bestens funktionieren und im Einsatz sind. Heuer sind kurz nach neun sechs „Ratschnboum“ von Netschetin Richtung Plachtin gestartet. Heuer haben wir die Route ein wenig geändert: anstatt am „Grünen Kreuz“ vorbei, haben wir den Netschetiner Bach gleich unter dem „Wawateich“ überquert und sind den steilen Hang nach Dt. Neustadl hochgeklettert. Nach dem üblichen Gebet „Engel des Herrn“ vor der dortigen Kapelle haben wir noch die Burgruine Preitenstein bestiegen. Die Enkelin Anna wollte in ihrem rosaroten Anzug in den geheimen Gang klettern, aber das wäre nicht gut ausgegangen. Sie muss es eben ein andermal machen. Nach der kleinen Erfrischung, die wir auf der Burgruine zu uns nahmen, ging es dann schon Richtung Plachtin. Angekommen sind wir kurz nach halb zwei: die kleine vierjährige Anna und der siebenjährige Richard sind fleißig mitgelaufen. Die „Aufteilung der Beute“ war heuer für die Kinder etwas ganz Besonderes: neben ziemlich viel Geld haben wir etwa zwei Kilo Süßigkeiten „erwirtschaftet“!

Ostersonnstag

Vormittag musste ich noch die Oster-Kerze für dieses Jahr „präparieren“ und einen Besuch bei der Mama haben wir auch geschafft. Weil der Sohn Richard mit seiner Familie schon vormittags wieder Richtung anderer Verwandtschaft fahren musste, organisierten wir das „Nestesuchen“ am Vormittag. Manchmal musste schon die Oma die Richtung zeigen, wo der Hase seine Geschenke hinterlassen hat, ansonsten würden sie dem Wild als österliches Festmahl dienen. Nach dem feierlichen Mittagessen habe ich gleich meine Tracht angezogen und eilte in die Kirche. Die Glut für den Weihrauch braucht immer ein wenig länger und deswegen war ich schon etwa eine dreiviertel Stunde vor dem Gottesdienst in der Netschetiner St. Jakobus – Kirche. Die hl. Messe zelebrierte P. Mgr. Günther Ecklbauer, OMI. Die Besucherzahl war im Hinblick auf die Wintermonate nicht schlecht und die Sonne zauberte wunderschöne Lichtströme, durch den Weihrauch verursacht. Nach dem Gottesdienst eilte ich noch nach Rabenstein, wo ein Beisammensein nach dem Gottesdienst geplant war. Ich trank eine Tasse Espresso und konnte mich mit den Besuchern unterhalten. Dann hieß es nach Hause fahren und noch einen Besuch bei der Mutti machen, weil meine Nichte Kateřina zu Besuch kam.

Ostermontag

Ostermontag wird in Böhmen mit dem Gang mit der Osterrute begangen. Ich habe das Vergnügen die letzten Jahre den Enkelkindern gegönnt, aber als ich den wunderschönen sonnigen Morgen sah, packte ich meine frisch gefertigte Osterrute und ging kurz nach acht los. Ich vergaß aber, dass heuer Ostern ziemlich früh dran ist und dazu noch die Sommerzeit die „Schläfer“ total verrückt gemacht hat. Schon beim zweiten Versuch, die „Moidla“ auszupeitschen stellte ich fest, dass sie gerade aufgestanden sind. Nichts gegen schöne Mädchen im Nachthemd (welcher Mann genießt nicht so etwas), aber mit einer Osterrute draufzuhauen ist doch ein wenig brutal. Nun ging ich weiter und konnte an dem Morgen viele nette Gespräche führen. Viele Menschen hatte ich mehrere Jahre nicht gesehen und deswegen war das „Osterrutegehen“ eine schöne, gesellschaftliche Angelegenheit. Weil das Wetter auch kurz nach dem Mittagessen noch schön war, machte ich mich zu Fuß auf nach Wirschin, um dort an der heiligen Messe teilzunehmen. Bei der Rückreise trank ich noch eine Tasse Kaffee bei meiner Mama und dann hieß es nur: „Schnell nach Hause, Computer hochfahren und Artikel über Ostern 2016 schreiben…“

 

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