Aus der Geschichte

Nach der Wende, im Jahre 1989,  in der damaligen Tschechoslowakei, konnten die Deutschen, die noch in Böhmen, Mähren und Schlesien lebten, frei aufatmen. Der Bedarf sich wieder in Verbänden zu organisieren kam auf. Neben dem „Kulturverband Bürger deutscher Nationalität“, den seit 1969 die Deutschen organisierten, schossen neue Gruppierungen aus dem Boden, die versucht haben Organisationen zu bilden, die die Interessen der „Deutschböhmen“ vertreten sollten.

Damals wohnte ich in Pilsen und fuhr mit meiner Familie jedes Wochenende nach Netschetin, wo die Eltern meiner Frau Irene leben. Ende 1991 bekam ich über meinen Schwiegervater die Anmeldung zur „Organisation der Deutschen in Westböhmen (OdDwB)“ in die Hände. Dieser neue Verband entstand nun in Pilsen. Da in Netschetin und Umgebung noch viele Deutsche lebten, wollte ich etwas für uns, die „heimatverbliebenen“ Deutschen machen. Ich traf die notwendigen Maßnahmen, und am 15. Februar 1992 war es so weit: Die Ortsgruppe Netschetin in der „Organisation der Deutschen in Westböhmen“ wurde gegründet. Die Anfänge erwiesen sich als recht schwierig: In Netschetin gab es kein Lokal, wo wir uns treffen konnten. Also fuhren wir zur Gründung der Ortsgruppe nach Manetin ins Hotel, und später dann immer mit einem Bus nach Rabenstein, um unsere Muttertagsfeiern oder andere Veranstaltungen zu organisieren. Als damals der Gründer vom „Bund der Deutschen - Landschaft Egerland“, Seff Heil, versuchte  alle Deutschen zusammenzubringen, traf er auch auf den Pilsner Verband. Und er sendete zur Hilfe für unsere Gründungsversammlung Horst Süßner aus Marktredwitz, der uns bei der Gründung damals in Manetin geholfen hat.

Leider ist die Einigung zwischen dem „Bund der Deutschen - Landschaft Egerland“, dessen Gründungsversammlung am 14. März 1992 (vier Wochen nach der Gründung der Ortsgruppe Netschetin in der „OdDwB“) in Habespirk stattfand und der „Organisation der Deutschen in Westböhmen“ nicht gelungen - und die beiden Verbände blieben eigenständig. Da wir in Netschetin Egerländer sind, haben wir uns als eine der zehn Ortsgruppen dem Verband in Eger angeschlossen. Seit dem Moment begann die hervorragende „Karriere“ der Netschetiner bei den Egerländern.

Gegenwart und Zukunft

Nach 23 Jahren aktiver Arbeit hat sich die Lage ein wenig verändert. Die Verbandsarbeit hängt leider an einzelnen Personen, die sich zudem die Unterstützung der Familienangehörigen einholen müssen. Vor zwei Jahren wechselte ich meinen Arbeitsplatz - und meine Reisetätigkeit nahm zu. Dazu sollte die Arbeit im Begegnungszentrum „Balthasar-Neumann-Haus“ in Eger verstärkt werden. Durch die Entfernung von mehr als 80 Kilometern von meinem Heimatort nach Eger, konnte ich den gewünschten Arbeitsaufwand in Eger nicht mehr gewährleisten, die darüber hinaus die notwendige ständige Anwesenheit im Begegnungszentrum bedürfte im Hinblick dazu meine berufliche Auslastung als Vertriebsleiter.

Ich stellte also ab dem 01. Januar 2015 mein Amt als Vorsitzender beim „Bund der Deutschen - Landschaft Egerland“ zur Verfügung. Die Verpflichtung gegenüber meinen Vorfahren und der ganzen deutschen Minderheit, mit den Erfahrungen den Menschen Freude zu machen, führte dazu, dass ich in einem kleineren Umfang die Arbeit fortführen wollte. Den richtigen Anstoß gab mir die Sitzung des „Heimatverein Luditz, Buchau, Deutsch-Manetin e.V.“ in Augsburg, wo ich eingeladen wurde und zum „Kulturwart“ gewählt wurde. Bei dieser Sitzung wurde die neue, junge Vorsitzende Frau Helena Wiesner gewählt, die aus Luditz stammt und ihre Mutti aus Leschowitz bei Netschetin kommt. Bei näherer Betrachtung stellte ich hoch interessante, zusammenhängende Begebenheiten fest, die mit dem Satz „Zurück zu den Wurzeln“ oder „Das war vorbestimmt“ gekennzeichnet werden können:

-          In Netschetin wurde schon im Jahre 1896 die Ortsgruppe vom „Bund der Deutschen in Böhmen“ gegründet.

-          In dieser Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) ließ ich mich inspirieren, als ich eine ursprüngliche, historische Tracht für mich und meine Frau suchte. Beim Suchen nach Informationen besuchte ich auch die „Heimatstube Luditz“ in Bad Sooden-Allendorf, wo so ein Trachtenpaar ausgestellt ist.

-          Meine erste Ehrung für meine Heimatarbeit kam vom „Heimatkreis Luditz-Buchau“ am 14.06.1998 aus der Patenstadt Bad Sooden-Allendorf.

-          Die Gemeinde Netschetin möchte mit uns - den Deutschen aus Netschetin - ein größeres Projekt für die Renovierung des Netschetiner Friedhofes unternehmen. Interessanterweise haben sich schon das Ehepaar Wiesner mit diesem Friedhof beschäftigt und ihn bereits vor Jahren übers Internet zugänglich gemacht. Das sudetendeutsche Friedhofsprojekt  der Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher (VSFF) wurde in das Grabsteinprojekt der Computergenealogen eingebunden. Dies ist unter folgendem Link einsehbar: http://grabsteine.genealogy.net/cemlist.php?n=CZ.

Aufgrund der Anfragen von mehreren Mitgliedern aus unserer Ortsgruppe, fiel nun die Entscheidung: Wir machen in einem kleinerem Kreise nun selbstständig mit unserer Arbeit weiter, die wir schon mehr als 22 Jahre machen.

Am 13. Juni 2015 war es dann soweit: Die Gründungsversammlung vom „Bund der Deutschen in Böhmen“ wurde einberufen. Mit einem entsprechenden Logo, welches aus dem historischen Logo des „Bundes der Deutschen in Böhmen“ herausgeht und welches vom František Roubal, unserem Mittänzer aus Aussig a. d. Elbe kostenfrei für den Verband geschaffen wurde, trafen wir uns in unserer „Stammkneipe“ in Netschetin, im Gasthaus „am Rathaus“ und das Ehepaar Wiesner war auch dabei! Eine ganz neue Satzung wurde von einer Rechtsanwältin ausgearbeitet und dem neuen „Bürgerrecht“ angepasst. Neue Mitglieder stellten sich auch für Ämter zur Verfügung, und damit war die Sache perfekt. Es muss noch viel getan werden, wie die Gestaltung einer Homepage und des Mitteilungsblattes; aber die Domain für den Internet-Auftritt und E-Mails wurde schon registriert: „deutschboehmen.com“.

Eine wirklich würdige Domäne, die die jahrhundertelange erfolgreiche Geschichte der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Schlesien repräsentiert. Und zu dieser Geschichte wird dieser Verband auch in der Zukunft seinen Beitrag mit Sicherheit leisten!

Füa(r unna Hoimat wirkli(ch ålls!

 

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