Jahreskonferenz des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums 2016 in Tepl

Das „Forum 2000“ organisierte mit der Unterstützung des „Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds“im Stift Tepl bei Marienbad die Jahreskonferenz des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums. Das diesjährige Thema war „Angst vor dem Fremden“.
 

Visegrád: eine gute Idee….

Die Begrüßung der Anwesenden übernahm Libor Rouček, Ko-Vorsitzender und Vizepräsident des Europäischen Parlaments a.D. Nach ihm kam der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt. In seiner Ansprache erwähnte er die jahrhundertelange Tradition des Zusammenlebens und das Versagen der europäischen Staaten im Jahre 1914. Er stellte in den Raum auch die Frage „Wie gehen wir mit den Erfahrungen von damals heute um?“ Der „Hausherr“, Abt P. Filip Lobkowicz stellte kurz die Entwicklung Klosters dar. Seine wohl wichtigste Nachricht war: „Der Deutsch-tschechische Dialog wird hier im Stift gelebt!“ Er erwähnte in seinem Grußwort auch die Zusammenarbeit mit der „Technischen Universität in München“.
Im ersten Panel wurde das Thema „Kultur und Werte“ behandelt. Die Podiumsdiskussion leitete Publizist Teodor Marjanovič von „Hospodářské noviny“. Karel Schwarzenberg, ehemaliger tschechischer Außenminister und Präsidentenkandidat sprach auch über die negative Rolle der Ghettos in Tschechien. Auf die Frage, wie er heute die Rolle der „Visegrád-Gruppe“ mit Hinsicht auf die „Flüchtlingskrise“ sieht, antwortete er klar und deutlich: „Die ´Visegrád-Gruppe´zu gründen war eine gute Idee“. „Wir sollen mehr Angst vor unseren leeren Kirchen haben, weil wir selber nicht wissen, wer wir sind!“, war seine stärkste Aussage an dem Vormittag. Berthold Franke, Leiter des „Goethe Instituts“ in Prag verglich seine Erfahrungen im kulturellen Leben aus mehreren Ländern mit Prag und es stellte sich heraus, das Tschechien als bestes dasteht.



Die kulturellen Gemeinsamkeiten sollen verbinden….

Der „Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten“ Hartmut Koschyk betonte, dass in den europäischen Ländern die „Angst vor dem Fremden“ schon immer präsent war. „Die kulturellen Gemeinsamkeiten sollen verbinden“, war einer seiner Nachrichten. Er erwähnte auch junge polnische Politiker, die der Regierungspartei angehören und mit denen die „Probleme ausdiskutiert werden müssen!“ In der weiteren Diskussion definierte er das Wort „Integration“: „Integration ist eine Annäherung in Kultur und Wertefragen“. Er betonte auch: „Unsere Meinungen sollen auch an den Stammtischen zu hören sein!“ Schwarzenberg meinte in der Diskussion: „Wir brauchen viel Zeit, die früher mehr vorhanden war, die wir aber heute nicht haben. Auch den früheren Wohlstand und das Wirtschaftswachstum haben wir heute nicht mehr!“ 


Negative Rolle der Medien…..

Im zweiten Block am Nachmittag ging es um „Politische und soziologische Zusammenhänge“. Die Diskussion leitete Lenka Zlámalová, Kommentator von „Týdeník Echo“.
Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung sprach in seiner Einleitung über „Interkulturelle Kompetenzen“. „Integration über Arbeit ist gut, aber wir brauchen die Sprache als Basis“, so Neumeyer. Josef Středula, Vorsitzender der „Böhmisch-mährischen Gewerkschaftskonföderation“ begrüßte, dass auch dieses Thema bei der diesjährigen Konferenz zu Wort kam. Er sprach über die negative Rolle der Medien. Radek Špicar, Vizepräsident des „Industrieverbandes der Tschechischen Republik“ beklagte zu wenig Arbeitskräfte in Tschechien. „Es gibt Firmen, die wegen fehlenden Arbeitskräften Aufträge absagen müssen“. Er sprach auch über interkulturelle Unterschiede bei der Herstellung der SKODA – Autos: zum Beispiel über die Unterschiede bei Rücksitzen und Hupen auf dem Indischen Markt. Neumeyer erwähnte in der Diskussion auch die negative Rolle der Medien: „Medien sollen nur berichten und ich soll mir dann selber meine Meinung bilden“.
 

Flexible Partnerschaft….

Der dritte Block hieß: „Politische Zusammenhänge“. Die Diskussion leitete Kai-Olaf Lang, Senior Fellow Stiftung Wissenschaft und Politik.  Jiří Dienstbier, tschechischer Minister für Menschenrechte, Chancengleichheit und Legislative berichtete in seiner Einleitung über die Flüchtlinge in den neunziger Jahren: es kamen zehntausende Ausländer aus der Slowakei, aus der Ukraine, aus Russland und Baltikum-Ländern und das Land hat das absolut ohne Schwierigkeiten gemeistert. Heute ist das Thema mit den Flüchtlingen sogar bei den Bezirkswahlen bei jeder zweiten Partei und Bewegungen zu finden. Es kam auch das Thema der „Flexiblen Partnerschaft“ zum Gespräch, was Dienstbier nicht versteht, denn es gibt einen festen Rahmen der Verpflichtungen und Vorteile bei Partnern und die sollten eingehalten werden. Antje Vollmer, ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages erwähnte, dass ein Konflikt zwischen unseren eigenen Menschen viel schlimmer ist, als zwischen uns und den Fremden. Was die Menschen nicht vertragen, sei der „moralische Hegemon“. Bernd Posselt, Politiker, ehemaliges Mitglied des Europaparlaments und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe beklagte sich über die Wendung vom europäischen Parlamentarismus zu bilateralen Abkommen.


Kapelle in Trahona eingeweiht…..

Bei der Rückreise aus Tepl fuhr ich an der gerade eingeweihten Kapelle der Hl. Dreifaltigkeit in Trahona vorbei. Dank des tschechischen Landwirtschaftsministeriums, der Gemeinde Girsch und dem Verein „Erneuerung des Dorfes Trahona e.V.“ konnte die in einem ruinösen Zustand lange Jahre sich befunden habende Kapelle renoviert werden. Ich wurde mit Gulasch und mit Bier belohnt und bei meiner Nachfrage über Deutsche bekam ich die Antwort „Da war eine Deutsche aus Glashütten“. Das ist Völkerverständigung und Belebung des Sudetenlandes. Passte ganz gut zu dem ganzen Tag!

Richard Šulko

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