Deutsche Texte:

Kommentar zur Sendung:

 

https://www.ceskatelevize.cz/porady/1102732990-folklorika/420236100141005-domov-jmenem-egerland/?fbclid=IwAR3iNGPLQr_u5Jt5uHSmhGUxIpOG90m9Im9kiir0uPuvGEVyg2GCmGjb45c

 

Nachdem zwei Tage nach der ersten Ausstrahlung der Dokumentation "Meine Heimat Egerland" vergangen sind, möchte ich meine Eindrücke kurz zusammenfassen. Die Sendung "Folklorika" ist eine Dokumentationsreihe des Tschechischen Fernsehens, welche sich mit der lebendigen Volkskunst in Tschechien befasst. Die deutsche Minderheit hatte die Ehre, in einem Jahr dreimal die ehemaligen deutschen Gebiete präsentieren zu können: nach dem Schönhengstgau am Jahresende 2019 mit der Sendung „Vertriebene Tradition“ kam im März  2020 die Sendung „Gesammelte Volkslieder,“ in der auch die deutschen Volkslieder um Netschetin zu sehen waren und jetzt kam zusätzlich zu den Liedern auch der Volkstanz aus dem Egerland in Netschetin dazu. Diese Sendung fanden „gut“ oder „sehr gut“ mehr als 50 Zuschauer und es kamen positive schriftliche Rückmeldungen von mehr als 15 Personen. Darunter Priester, Bürgermeister, Menschen, die sich mit der deutschen Vergangenheit befassen, aus den deutschen Vereinen in Tschechien, darunter auch von Präsidiumsmitgliedern der Landesversammlung.

Nur eine Reaktion aus einem Verein aus der deutschen Minderheit war negativ.

Ich empfehle allen Verbänden der deutschen Minderheit in Tschechien: stellt bitte Gruppen auf, die in ihren Heimatlandschaften aktiv lebendige Volkskunst machen. Große Vereine haben die finanzielle Kraft, Angestellte, die Projekte ausarbeiten können und falls sie in Grenzgebieten tätig sind und mit Heimatvereinen zusammenarbeiten, haben sie die besten Voraussetzungen. Das Tschechische Fernsehen nimmt mit Sicherheit gerne weitere Themen auf, die der Sichtbarkeit der deutschen Minderheit helfen könne.

Ich bin gerade dabei, die Genehmigung zur freien Vorführungen mit deutschen Untertiteln zu bekommen, nebenbei wird ein Artikel zusammengefasst, s.u., welcher den Film darstellt, damit sich jeder selbst auch in Deutschland oder in Österreich ein Bild über diese Dokumentation machen kann.

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Česky:

Po tom, co uběhly dva dny od premiéry dokumentu „Domov jménem Egerland“, bych rád krátce shrnul mé dojmy z tohoto pořadu. Pořad „Folklorika“ je řada dokumentů, které se zaobírají živou lidovou kulturou v České republice. Německá menšina měla tu čest, během jednoho roku třikrát prezentovat oblasti, kde žili, nebo žijí Čeští Němci: po pořadu „Odsunuté tradice“ na konci roku 2019, kde se prezentovalo Hřebečsko, přišel pořad „Posbírané písničky“ v březnu, kde jsem mohl prezentovat německé lidové písně z Nečtinska a nyní přichází pořad „Domov jménem Egerland“, kde jsem mohl prezentovat vedle písní i Egerlandské lidové tance. Tento pořad ohodnotilo jako dobrý, nebo velmi dobrý více než 50 diváků a dalších více než 15 diváků poslali pozitivní písemné vyjádření. Mezi nimi kněží, starostové, lidé, kteří se zaobírají německou minulostí, z německých Spolků a od členů prezídia Shromáždění německých Spolků.  Pouze jedna reakce z jednoho Spolku německé menšiny byla negativní.

Doporučuji všem Spolkům německé menšiny v České republice: vytvořte skupiny, které budou v jejich oblastech vytvářet živou lidovou kulturu. Velké Spolky mají k tomu nejen prostředky a zaměstnance, kteří mohou vypracovávat projekty ale v případě, že pracují poblíž hranic a spolupracují s organizacemi Vyhnanců, mají k tomu ty nejlepší předpoklady. Česká televize se určitě bude zajímat o další témata, které pomohou zviditelnit i německou menšinu.

Pokouším se získat povolení k prezentování pořadu, nejlépe s německými titulky. Vedle toho napíši článek o tomto filmu, viz níže, aby si každý v Německu, nebo Rakousku mohl na tento dokument udělat názor sám.

Übersetzte Sprachen im Filmdokument:

Sendung Folklorika, „Heimat Namens Egerland“

Premiere am 7. November 2020, 10:10 Uhr. CT2 (Tschechisches Fernsehen, 2 Programm)

Thema und Regie: Michael Kaboš, leitender Dramaturg: Josef Albrecht

Richard Šulko: „Wenn wir arbeiten oder auftreten, fragen viele Menschen: ´warum machst Du das eigentlich?´ Ich fange an, mich anzuziehen…“

Irena Šulková: „schau, wie schön und klein die Strümpfe sind…“

Richard Šulko: „Wissen sie, wenn Sie etwas nach historischen Unterlagen machen wollen, können sie sich nicht nach den Vorfahren richten, weil die Kontinuität unterbrochen wurde. Sie müssen nach Deutschland gehen, sie müssen alte Unterlagen studieren: das ist das Opfer für die Heimat. Wir suchen nach der Identität, damit es einen Sinn hat.

Irena Šulková: „Willst du mit dem Anziehen helfen?“ Richard Šulko: „Nein ich ziehe mich immer selber an, nur in den Sarg muss mir jemand helfen, das schaffe ich nicht alleine. Die Tracht kommt aber ins Museum, das wäre schade. Ich wohne am Plachtin, was das sog. östliche Egerland ist. Das reichte von Bischofteinitz bis Saaz und fast bis nach Pilsen. Diese Region war bis 1945 deutschsprachig. Wir leben hier im Jahre 2020 unter tschechischer Mehrheit aber das deutsche kulturelle Element haben wir incl. unserer Egerländer Mundart erhalten. Diese Mundart klingt ein wenig Bayerisch, Österreichisch, wir sind Egerländer. Das Egerländrische ist ein nordbairischer Dialekt. Meine Mama ist eine Deutsche, geborene Beinl und hier am Plachtin geboren. Meine deutschen Vorfahren sind hier mindesten seit 1764 ansässig. Ich bin zwar ein Egerländer aber habe einen tschechischen, bzw. slowakischen Namen. Das entstand dadurch, dass mein Vater aus der Slowakei kommt, aus Trnava und seinen Militärdienst in Tschechien verbrachte. Das war damals das Ziel, einen „Tschechoslowakischen Menschen“ zu schaffen. Junge Tschechen wurden in die Slowakei zum Militärdienst geschickt und umgekehrt. Damals begegnete mein Vater meine Mama. Ich bin ein Egerländer und der Staat wollte aus mir einen Tschechoslowaken machen. Das gelang ihm aber nicht.“

Jaroslav Vyčichlo (Verein für die Dokumentation und Rettung der Denkmäler um Karlsbad): „Ich dokumentiere schon viele Jahre die Denkmäler um Karlsbad herum im Rahmen einer Internet-Enzyklopädie. Dank der Aussiedlung der Mehrheit der deutschen Bevölkerung kam es zur Unterbrechung der Kontinuität. Damit kam es zum Verlust des örtlichen Gedächtnisses. Die neuen Bewohner hatten es nicht, sie waren aus allen Ecken des Landes gekommen, sogar aus Polen, Russland, Rumänien. Dieser internationale Mischmasch hatte keinen eigene Folklore und der Bezug zu der Region war nicht so, wie früher. Im Bezirk Karlsbad lebten im Jahre 1930: 96 Prozent Deutsche, vier Prozent Tschechen.“

Richard Šulko: „Das war ein einheitliches (deutschsprachiges) Gebiet, welches nach der Staatsgründung (1918) langsam durch die Tschechisierung zerbröckelte: durch Gesetze, staatliche Bevorzugung tschechischer Angestellter o.ä. Die gegenseitige kulturelle Beeinflussung war minimal, nur z.B. durch Dudelsackspieler der Choden oder aus dem Böhmischen  Wald. Durch die Abschiebung, Vertreibung verschwand eigentlich alles.  Zuhause haben wir nicht (Deutsch) gesungen, ich kann mich nur ein wenig an deutsche Lieder erinnern, die mir meine Urgroßmutter sang und ich habe sie nach 30 Jahren wieder erkannt, nachdem ich aus Deutschland eine Musikkassette bekam. Deutschböhmen, wie Deutsche, waren sehr gerne in Vereinen tätig. Das Vereinsleben war sehr stark, weltweit. Ich möchte in dem Zusammenhang den  Bund der Deutschen in Böhmen erwähnen, der im Jahre 1894 gegründet wurde, in Netschetin 1896. Im Krieg war deren Tätigkeit verboten und nach dem Krieg wurden die Deutschen dann vertrieben. Ich hatte nach der Wende einen deutschen Verein in Netschetin gegründet und schließe mit der Arbeit an die Arbeit dieses Vereines an, auch wenn man 40 Jahre Unterbrechung hatte. Ich fing sofort an, mit dem hundertjährigen Bund der Eghalanda Gmoin in Deutschland, Marktredwitz zusammenzuarbeiten, wo sich die Egerländer Volkstänze, Egerländer Musik und Egerländer Volkslieder erhalten haben. Wir haben die Kultur, und das ist wirklich ein blöder Begriff, wieder ins ursprüngliche Land reimportiert. In den dreißig Jahren unserer Vereinstätigkeit, während derer ich der Vorsitzende bin, haben wir alles beleben können: die Mundart, die Mundartschreibung und wir haben eine Egerländer Volkstanzgruppe aufgebaut.  Die Mitglieder kommen aus der Familie, von Freunden und Vereinsmitgliedern. Hier befindet sich das ´Vereinsherz,´ wo alle Projekte entstehen, Public Relations und vieles mehr. Schon im Jahre 1998 hat unser Verein die höchste Auszeichnung des Heimatvereines Luditz-Buchau bekommen.“

Vojtěch Šulko: „ Zum Zitherspiel kam ich durch meinen Vater, der mich dabei unterstützte. Er wollte ursprünglich, dass ich auf dem Dudelsack spiele, dass  wollte ich aber nicht.“

Richard Šulko: „Das Lied erzählt von einem jungen Mann, der seine Liebe heiraten wollte, die Eltern waren aber dagegen. Es folgte die freie Übersetzung der letzten Strophe des Volksliedes ´Öitza spånn i(ch meina Rößla vurdß Kutschn.“

Vojtěch Šulko: „Jemand sieht die Zither als eine Menge von Saiten. Sie war fest mit der Landschaft verbunden: in jedem Haus im Grenzgebiet gab es eine Zither und jemand konnte sie spielen. Es ist immer schön, wenn nach einem Auftritt der Beifall kommt, wenn der Auftritt gelingt. Meistens gelingt er. Ich habe auch ein gutes Gefühl aus den Volksliedern selber. Man hört aus ihnen die Heimatliebe, die Liebe zur Natur.“

Richard Šulko: „Ein wichtiger Teil der Egerländer Tracht sind die sog, ´Batzerlstrümpfe.´ Die Egerländer hatten verschiedene Strümpfe, aber am meisten sind es eben die ´Batzerlstrümpfe.´ Das ist ein Kniestrumpf, der dieses spezielle Muster hat. Der wird schon mehr als hundert Jahre zu der Tracht getragen. Leider hat die antideutsche Erziehung in der Tschechoslowakei die weißen Strümpfen fälschlicherweise mit „Nazis“ verbunden. Bis heute wird manchmal das Tragen dieser Strümpfe als eine Provokation empfunden. Dabei können ja die Strümpfe nichts dafür. Sie stammen aus einer viel, viel früheren Zeit und haben mit dem Nationalsozialismus überhaupt nichts zu tun!Dieses ganz besondere Muster ist sehr schwierig zu stricken, in Tschechien kann es nur meine Schwiegermutter und in Deutschland können es noch fünf bis sechs Menschen.

Helena Waldsteinová: es folgt die Beschreibung des Strickvorganges. „Wir hatten im Saal sogar einen Strickkurs, aber bis heute kann ich mir die einzelnen Strickvorgänge nicht merken. Man muss viel Ausdauer und viel Spaß dabei haben. Wenn man nur einen Fehler macht,  hat man ein Problem.“

Richard Šulko: „So jetzt geht´s von zu Hause wieder ins Egerland. Wir sind zwar im Egerland, aber wir haben eine Probe mit Auftritt im Netschetiner Museum. Hoffentlich kommt bald die ganze Familie. Wenn man die Tracht anzieht, ist es ein besonderes Gefühl: die Hochachtung und Verpflichtung gegenüber den Vorfahren. Unsere Egerländer Tracht ist das wichtigste, was man tragen kann, wenn man zu einer wichtigen Gesellschaftsaktion geht.“

Es folgt der Egerländer Volkstanz „Da Howansook“, getanzt von der Egerländer Volkstanzgruppe

„Die Målas.“

Richard Šulko: „Ich möchte ihnen einige originale Egerländer Trachten vom Ende des 19. Jahrhunderts vorstellen: Haube, G´häng, ich trage eine Replik der Tracht aus der Gegend Manetin, Kralowitz, Luditz. Meine Frau ist mit mir farblich abgestimmt, auch etwa um 1870.“ Es folgt dann die Beschreibung von der Tracht und der des Enkelsohnes, der die Egerer erneuerte Stadttracht trägt. Bemerkung: ledige Jungs trugen ein rotes Band auf dem Flodara(r (Hut). Die Tracht begleitete einen Bauer das ganze Leben: von der Geburt bis zum Tode.“

Es folgte ein Fototermin am Hofe des Netschetiner Museums.

Richard Šulko: „Wir bemühen uns um die Verständigung. Immer noch fehlt bei der tschechischen Mehrheitsbevölkerung die Reflexion auf die nicht gerade glorreichen Taten der Tschechen gegenüber den Deutschböhmen. Wir wollen den Weg des Zusammenlebens zeigen. Das steht in der Satzung an der ersten Stelle: ´Völkerverständigung zwischen den Deutschen und den Tschechen.“

Terezie Jindřichová: „Ich denke, dass wir so zehn Jahre alt waren, als wir anfingen zu tanzen. Das ist schon länger her, aber es machte und macht immer noch Spaß. Dazu gehörte auch der Besuch der Kirche jeden Sonntag und das Leben im Glauben. Das war für uns Kinder ein wenig schwierig, aber heute kann man sagen, dass es uns geholfen hat und wir sind heute froh.

Vojtěch Šulko: „Meine Geschwister wuchsen im Sozialismus auf, ich wurde im Jahre 1992 geboren und damals hatten wir schon langsam unsere Volkstanzgruppe, ich wuchs mit den Trachten schon von klein auf. Eine Tracht zu tragen war für mich eine ganz normale Sache. Einige unsere Mitglieder schämen sich z.B. in eine Gaststätte in der Tracht zu gehen, weil die Erfahrung immer ist: ´das sind Deutsche.“

Terezie Jindřichová: „Wir können uns das Leben ohne den Volkstanz nicht mehr vorstellen. Auch die Kinder von meinem Bruder tanzen schon mit und sobald nicht die Politik oder andere Menschen gegen uns sein werden, werden wir weitermachen. Es sollten uns aber auch andere Menschen helfen, und nicht gegenüber uns Verleumdungen verbreiten. 

Richard Šulko: „In den 40 Jahren des Kommunismus, oder seit 1946 wurde wir zur  Demut und Zurückhaltung erzogen und lebten in einer Diaspora. Wir sind gewohnt, Schläge zu bekommen, wegen unserem schlechten Kader-Profil dürften wir nicht studieren (auch ich durfte nicht einmal an der Forstschule studieren). Wir mussten also zweimal so gut sein, wie jemand aus dem Mehrheitsvolk, um eine gute Kariere zu machen. Wir sind also sehr belastbar und wir Egerländer haben sowieso einen Dickkopf.

Jaroslav Vyčichlo: „Als wir zum ersten Mal nach Zwetbau kamen, konnte man den Friedhof nicht sehen, weil er so zugewachsen war. Alle Grabsteine wurden aufgerichtet und die Namen auf den Grabsteinen festgehalten. Wir versuchen auch die Nachkommen zu kontaktieren, die damit Informationen über ihre Vorfahren bekamen. Das stärkste Erlebnis hatten wir vor zwei Jahren, als Frau Linke aus Deutschland hierher kam. Die war vor mehreren Jahren hier und als sie den Zustand des Friedhofes sah, wollte sie nicht mehr hierher kommen. Jetzt dankte sie uns mit den Tränen in den Augen, dass wir uns um diesen Friedhof kümmern. Sie brach also ihr Versprechen nur wegen unseren Aktivitäten hier.

Richard Šulko: „Auf diesem Netschetiner Friedhof ruhen mehrere Generationen meiner Vorfahren. Das Vermächtnis, welches sie uns mit dem Blut übergaben, müssen wir weitertragen. Ich befinde mich am Grab meiner Urgroßmutter, die verstarb, als ich 17 Jahre alt war. Sie hat mich erzogen und dank ihr bin ich ein Christ und kann Egerländrisch sprechen. Auf dem Grabstein ist auch mein Uropa genannt, Wenzel Löw, der ein halbes Jahr vor meiner Geburt starb. Wenzel Löw war ein Antifaschist und deswegen kann ich noch heute auf dem Friedhof stehen und an meine gefallenen und verstorbenen Ahnen denken. Die Situation zwang die Deutschen zusammenzuhalten und sich in der Diaspora zu treffen. Es waren Fachleute oder Arbeiter in der Waldwirtschaft, die hier geblieben sind. Mit dem Glauben konnten wir den Zusammenhalt, den Stolz auf unsere Heimat und auf unsere Vorfahren behalten und mit Stolz die Arbeit für die Heimat machen.

Jaroslav Vyčichlo: „Nach dem Weißen Berg war der Katholizismus das Maßgebende bei den Bewohnern hier. Bräuche waren mit der Kirche verbunden und die Denkmäler hängen also mit dem Katholizismus zusammen.

Richard Šulko: „Die Säule ist eine Mariensäule, die weltweit die einzige ist, die eine Egerländer Inschrift hat, was man auf dem Sockel sehen kann. ´Måla Richard´ ist mein Hausname. Wir stellten diese Mariensäule im Jahr 2015 auf um uns für die Gaben und unsere Ehe bei unserer Gottesmutter  zu bedanken. Ich bin froh, dass diese Säule den Wandernden den Weg zeigt, sie können stehen bleiben und die Harmonie dieser Stelle mit auf ihren weiteren Weg mitnehmen. Wir befinden uns in einer Egerländer Stube. Ganz wichtig ist der sog. ´Herrgottswinkel´, Richtung Süden orientiert (sollte eigentlich Osten sein). Den Traum, ein Egerländer Haus zu bauen hatte ich schon etwa 30-40 Jahre. Ein großer Traum, mit einer Vollendung meiner Identität. In der Mitte steht ein großer Tisch, wo sich die Familie bei wichtigen Ereignissen trifft, gemeinsam isst oder betet. Nach der Wende gründeten wir einen deutschen Verein, mit der Zeit hatten wir Trachten, dann eine Volkstanzgruppe, ich fing an, in der Egerländer Mundart Geschichten zu schreiben. Eins aber fehlte: ein Grundstück in der Heimat. Ich habe lange, lange gespart und dann habe ich vor elf Jahren, also mit 50 Jahren, das Ziel eines Egerländers, auch für die nächsten Generationen erfüllt. Das Haus war also ´Die Kirsche auf der Torte´. Das Haus ist ein modernes, aber es gehört zu einem Egerländer.“
Volkstanz: „Sternpolka.“

Richard Šulko: „Die Harmonie der Natur im Frühling, wenn die Bäume blühen, wenn man bei einer Wallfahrt Trachten sieht: das fehlt heute den Menschen und es ist scheinbar das, was auch junge Menschen anspricht, wenn sie den Sinn des Lebens und die Harmonie suchen. Unsere schöne Heimat mit ihren Liedern ist eine wunderschöne Sache und deswegen zieht es andere Menschen an und deswegen haben wir die Volkstanzgruppe schon seit 25 Jahren.

Vojtěch Šulko: „Es ist wichtig, sich an die Traditionen zu erinnern. Das Vermächtnis weiter zu geben ist für uns wichtig. Bei den gemeinsamen Aktionen treffen wir uns gemeinsam, aber vor allem: wir geben es weiter. Meine Tochter ist erst zwei Jahre alt, fährt aber zu unseren Aktionen mit und wird in diesem Milieu auch aufwachsen. Ich möchte ihr auch das Zitherspiel lehren, damit es weiter geht.“

Jaroslav Vyčichlo: „Einer der Initiatoren der Rettung der Egerländer Mundart ist Richard Šulko. Er pflegt die Volkstänze, singt mit Zitherbegleitung. Wenn wir eine kulturelle Maßnahme haben, oder ein Denkmal enthüllt wird, laden wir den Herrn Šulko immer gerne ein. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, war das ein großes Erlebnis für mich, als die ursprüngliche Mundart durch die Landschaft tönte und an das Schicksal der ursprünglichen Bevölkerung erinnerte.

Richard Šulko: „Das ist mein Zuhause, meine Heimat, wie es auch meine Vorfahren sagen konnten. Ein Platz, zu dem ich gerne zurückkehre, wo ich wohne, wo ich als Kind spielte, auf die Felsen kletterte, im Schloss verweilte. Das ist meine Heimat, wo ich geboren wurde und wo ich hoffentlich auch sterben werde. Ich hoffe, dass auch die nächsten Generationen gerne hierher zurückkehren und an die schönen Taten unserer Vorfahren erinnern, die hier über Jahrhunderte lebten. Das ist unsere Heimat. Wissen sie, schon Johann Wolfgang von Goethe schrieb über die Egerländer, was das für ein schönes Völkchen ist, das gottesfürchtig ist, gerne Trachten trägt und singt. Das sind also wir: Gesang, Musik, ein Bierchen dazu, sich unterhalten und fromm sein. Dazu Ausdauer und Dickköpfigkeit: ich bin froh, dass ich das der nächsten Generation weitergeben kann. Das sind wir und das teilen wir auch der Umgebung mit: in Deutschland, Österreich, vor allem aber in Tschechien.

 

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